Grüße aus der Mongolei

Pekings östliche Skyline während des Sandsturms
Pekings östliche Skyline während des Sandsturms
Anzeige des Beijing Air Quality Index am Morgen des 4. Mai 2017
Anzeige des Beijing Air Quality Index am Morgen des 4. Mai 2017

Seit zwei Tagen wüten schwere Sandstürme über den Türmen der Stadt. Plastiktüten und Verpackungen werden in den Häuserschluchten bis über die Dächer hinaus gewirbelt. Eigentlich wollte ich gestern früh im Park joggen, jedoch hatte ich mich noch nicht einmal umgezogen, hatte sich die Sicht auf wenige Meter reduziert. Mit der frisch heruntergeladenen APP Beijing Air Quality, die ihre Daten von der amerikanischen Botschaft bezieht, wurde ich Zeuge, wie sich innerhalb von drei Stunden die Werte der Feinstaubbelastung fast verachtfachten! Bis zum Mittag steigen sie auf bis zu 650 µ/qm!

Viele Menschen sind jetzt auf den Straßen mit Atemschutz unterwegs. Allerdings im Gegensatz zu den typischen Smog-Situationen, die meist im Spätherbst oder Winter entstehen, wobei ein Gemisch aus Nebeltröpfchen, Abgaspartikeln und Staub in der Luft steht, ist die Feinstaubbelastung durch Sandstürme eine andere – auch gesundheitsschädlich, jedoch im gleichen Maße wie Smog. Es ist halt nur Dreck – jedoch kein Gift. Feinstaub ist also nicht gleich Feinstaub!

Über dem Ritan-Park weht in der steifen Brise die chinesische Flagge. Die Luft ist wieder rein …
Über dem Ritan-Park weht in der steifen Brise die chinesische Flagge. Die Luft ist wieder rein …

Heute morgen wurde ich dann Zeuge eines rapiden Wetterumschwungs: innerhalb einer halben Stunde war der Staubvorhang von starken Nordwinden wie weggeblasen und die Sonne schien am blauen Himmel. Der frische bis stürmische Wind hält den Tag über an. Für das Wochenende sind möglicherweise weitere Sandladungen aus Westen zu erwarten. Die westlichen Wüsten der inneren Mongolei aus denen der „Gelbe Drache“ herangeweht kommt, beginnen mit ihren Ausläufern keine 100 km vor den Toren Pekings.

Wüstenstaub aus den Steppen Westchinas. Zum Vergleich die kleinste aktuelle Münze Chinas (1 Jiao, ø19mm) und oben rechts eine 60-fache Vergrößerung
Wüstenstaub aus den Steppen Westchinas. Zum Vergleich die kleinste aktuelle Münze Chinas (1 Jiao, ø19mm) und oben rechts eine 60-fache Vergrößerung

Der Staub ist von grau-gelblicher Farbe – wie die Landschaft, sehr fein und lehmhaltig. Beim Saubermachen im Appartement habe ich mal den Staub der letzten beiden Tage auf einer Tischfläche von der Größe eines Viertel Quadratmeters zusammengekehrt. Im gesamten Zimmer kommt dann Einiges zusammen …

Schwere Sandstürme- Der „Gelbe Drache“ sucht China heim
tagesschau.de, 04.05.2017